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Historischer Bericht über die 14. Rintelner Eisfahrt 1985

Aufkleber der 14. Rintelner EisfahrtAls es noch das ICF Wanderfahrerabzeichen gab, war ab Silber u.a. eine Bedingung: Bericht über eine Fahrt in Wort und Bild. In meinem Bericht stellte ich dann die Rintelner Eisfahrt, die damals noch fast intim war, vor. Diesen Bericht möchte ich hiermit veröffentlichen. Vielleicht erinnert sich noch der ein oder andere an „damals“ und als das Fernsehen dabei war. Schreibt doch mal an p.specht@rintelner-eisfahrt.de

Die Rintelner Eisfahrt

Dezember 1985

Die Rintelner Eisfahrt ist für die „Insider“ ein Begriff geworden. Am 1. oder 2. Samstag im Dezember treffen sich Kanu-, aber auch einige Rudersportler aus dem norddeutschen Raum in Hameln, um mit Gleichgesinnten auf der Weser bis Rinteln zu fahren.

Wie ist diese Fahrt entstanden und was ist bisher aus ihr geworden?

Der Ursprung der Eisfahrt ist auf dem Stiftungsfest des RKC 1968 zu finden. Dort beschlossen einige Kameraden aufgrund des noch schönen Wetters, die Weser zu fahren. Ein Vorhaben, für damalige Verhältnisse als gewagt zu bezeichnen, denn wer hatte schon einen „Neo“.  Als der gesetzte Termin näher kam, wurde es immer kälter und die Lust wurde immer weniger. Am Donnerstag vorher sollte nun alles abgeblasen werden, bis ein Kamerad sagte: „Wenn Ihr nicht fahrt, ich fahre; Ihr müsst mir aber diverse Getränke spendieren.“ Der Geiz überkam die anderen und so wurde doch gefahren.

Danach wurde meist zur gleichen Zeit diese Fahrt mehr oder weniger regelmäßig durchgeführt und fand im Fahrtenplan des RKC ihren festen Platz. Anlässlich der nach Fahrtenplan 9. Fahrt, übrigens bei 25 cm Schnee, fuhren Kameraden aus Burgdorf, die zufällig in Rinteln weilten, mit und fanden diese Idee gut.

Diese Meinung bestärkte mich in dem Vorhaben, die Eisfahrt offen auszuschreiben. Und so lud ich anlässlich der Jubiläumsfahrt zur 10. Rintelner Eisfahrt die Kanuvereine des Bezirks Hannover und des Ringes der Wassersportvereine um die Porta Westfalica, dessen Mitglied wird sind, 1981 ein.

Start war, wie auch bei den Vereinsfahrten, die Jugendherberge in Hameln. Angemeldet hatten sich incl. der eigenen Clubkameraden 48 Sportfreunde aus 7 Vereinen. Dieses  Ergebnis, so fand ich, war ein sehr gutes und so beschloss der Vorstand für das nächste Jahr diese Fahrt auch im Kanusportprogramm als Bezirksveranstaltung ausschreiben zu lassen, was dann auch geschah. Ergebnis: 148 Starter. Uns so ging es dann weiter; 1983 = 158, 1984, die Spitze bisher, 302 und 1985 = 270. Dabei waren auch jedes Mal Rudersportler aus Rinteln und Minden vertreten. Der Startort musste aufgrund der Meldungen geändert werden und die Organisation verlangte auch mehr Zeit und Aufwand. Konnte ich bei der ersten Fahrt noch aktiv dabei sein, änderte sich das schon 1982. Von da an blieb mir „nur“ noch die Arbeit des Leiters der Fahrt. Kontrolle der Startkartenausgabe, Einweisung in die Parkplätze, Begrüßung von bekannten Kanusportlern und „neuen“, die das erste Mal dabei waren, Hinweise zum Ablauf, Besuch beim allseits beliebten „Glühweinstand“ unserer Damen und, und, und. Arbeit gab und gibt es reichlich.

Durch die große Zahl der Teilnehmer nahmen natürlich auch die Vorbereitungen mehr Zeit in Anspruch, es musste mehr bedacht werden, die Sicherheit der Starter durfte nicht zu kurz kommen. So gilt z.B. unser Dank der DLRG, die in den letzten Jahren die Fahrten begleitet hat und natürlich der Britischen Rheinarmee in Hameln, auf deren Gelände wir starten und parken dürfen. Und 1985 kam dann der Vorstoß zum Fernsehen. Nur so einen Schnapsidee von mir, dass ein Kamerateam kommen würde, hatte ich ehrlich gesagt gar nicht zu hoffen gewagt.

Alle Starter erhielten Erinnerungen an die Eisfahrt. So wurden bei der 10. Eisfahrt Urkunden ausgegeben und jeder Verein erhielt einen Porzellanuntersetzer aus dem Schaumburger Land. Die 11. Eisfahrt am 06. Dezember sah auf der Urkunde noch einen Nikolaus aus Schokolade und ab der 12. Eisfahrt gab es dann  Aufkleber mit wechselnden Motiven nach eigenen Entwürfen und Urkunden für die teilnehmenden Vereine.

Nach Aussagen der Teilnehmer, die mittlerweile aus ganz Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen kommen, ist jedoch der Hauptanreiz der Eisfahrt die Gemütlichkeit der Fahrt selbst, bedingt durch keine Zielzeit, die „Glühweinstation“ unserer charmanten Damen und das Rintelner Supereisfahrteintopfessen. Anfangs noch mit eigenen Mitteln zubereitet, heute jedoch von einem heimischen Fleischer hergestellt.

Ablauf der Eisfahrt

Die ersten Vorbereitungen für diese „Wintersportveranstaltung“ beginnen eigentlich schon vor der Durchführung der jeweiligen Fahrt für das neue Jahr. Bedingt dadurch, dass schon frühzeitig der Termin für das neue Kanusportprogramm bekannt gegeben werden muss.  Dann ist erst mal Ruhe bis zum Sommer. Ende Juli/Anfang August schreibe ich dann den Britischen Verbindungsoffizier an, um auch der Form halber die Freigabe für den Übungsplatz zu erhalten, denn den Termin hat er schon vom letzten Dankschreiben. Gleichzeitig werden auch die Ortsvereine der DLRG über den Termin informiert. Ende Oktober gehen dann die Ausschreibungen für die Vereine und Einzelpaddler, die schon einmal teilgenommen haben, raus. Gleichzeitig mit der Ausschreibung werden die Aufkleber in Auftrag gegeben (nach den Erfahrungen von 1984 in reichlicher Auflage, denn noch mal möchte ich keine „frischen“ verteilen, die noch abfärben, weil vor dem Start erst die Nachlieferung eintraf.) Und dann heißt es eigentlich warten bis zum Meldeschluss, meist eine Woche vor Start. Langsam tröpfeln sie dann ein und unser Kassenwart hat „Hochsaison“ für Startgeldkontrollen. Nach Meldeschluss kommen die Anmeldungen dann in Scharen. Es wird sortiert, in Listen eingetragen, die Startkarten und Aufkleber gezählt und in Umschläge in Karteikästen verpackt und immer wieder die Meldeliste mit Zahlungseingängen verglichen.

Nun kann auch der Eintopf bestellt werden, auch hier wieder mit hoffentlich ausreichenden Mehrportionen, denn die Erfahrung zeigte bisher, dass doch mehr kommen als gemeldet. Es hat eigentlich immer gereicht. Letztes Jahr kam dann noch die Hektik des Fernsehens hinzu. Die wollten dann auch noch ein Motorboot haben und das im Winter. (Hier half uns das THW kurzfristig) Und nicht zu vergessen, der beliebte Glühwein musste gekauft werden. Anfangs wurde noch im Zelt gekocht, jetzt haben wir die Grillhütte bei der Fähre Großenwieden als Quartier, das anlegen ist auch hier viel besser zu bewältigen. 

Es kommt der Vorabend der Eisfahrt, die ersten Teilnehmer kommen an. Meist gehört Hans Maron aus Dortmund zu ihnen und „Rallye-Kalli“ mit seiner Mannschaft aus Stade lässt auch nicht lange auf sich warten. Der Boden des Bootshauses füllt sich langsam und auch Wohnwagen sind schon viele da. Die beiden „Härtetypen“, Rolf aus Minden und Gerhard aus Hamburg, zelten wieder, egal wie das Wetter ist.

Und dann ist Samstagmorgen. 7.30 Uhr, Abfahrt nach Hameln, dieses Jahr mit dem Stadtbulli als Startkartenausgabe. Der Schlüssel für den Platz wird noch schnell geholt und die Hinweisschilder werden angebracht. Natürlich, wieder kein Eis und Schnee, nein, warm ist es eigentlich und regnen tut es. Eigentlich gießt es mehr. Dann kommen schon die ersten an, unter ihnen auch THW und das Kamerateam des NDR. Kurz Einweisung für THW und ausführliche Gespräche mit dem verantwortlichen Redakteur über den Ablauf der Fahrt. Die THWler kleiden das Team erst mal in Ölzeug ein. Und immer weiter rollt die Autowelle mit Anhängern und Sportlern. Da wird abgeladen und aufgerüstet, jeder schimpft auf den Regen. Auch unser eigener Kameramann, der die ganze Aktion auf Video aufnimmt, flucht über das Wetter. Er und das Fernsehteam sind überall zu finden, um Eindrücke zu sammeln.

Es wird 10.00 Uhr. Die meisten haben sich an meine Bitte gehalten und sind bis zum Startschuss geblieben. Und dann kommt das beste Ergebnis, es hört auf zu regnen! Gemächlich machen sich alle auf den Weg, mit Neo, ohne Neo, sogar Männer mit kurzen Hosen sind zu sehen. (Wer sonst, als britische Soldaten, die absolut härtesten.) Und immer noch kommen welche an. Bis 10.30 Uhr, dann sind alle da. Das Fernsehteam „schifft“ sich ein und fährt mit. Und ich starte zum Glühweinstand, wo bereits kräftig geheizt wird.

Bald treffen auch die ersten Teilnehmer auf dem Wasser ein. Der Himmel hat aufgehört zu weinen und es lacht auch die Sonne. Sehr kalt ist es nicht und trotzdem geht der Glühwein zur Neige, bevor alle eingetroffen sind. Also muss noch welcher besorgt werden, der Tante-Emma-Laden im Dorf meint, es wäre Weihnachten.

Ich muss weiter, denn die ersten werden bald in Rinteln sein. Kaum bin ich da und habe den Eintopf probiert (diesmal Serbische Bohnensuppe), kommen auch schon die hungrigen Aktiven. Reibungslos werden die Teilnehmer „abgefüttert“ und da unser Platzangebot im Bootshaus nicht allzu groß ist, verabschieden sich die meisten gleich nach dem Essen, denn sie wollen ja noch nach Hause. Vorher erhalten die Gruppenleiter noch ihre Erinnerungsurkunden und ich das Versprechen: „Im nächsten Jahr kommen wir wieder!“

Viele bleiben aber noch einige Zeit. Und dann wird erzählt: von Fahrten im vergangenen und Planungen für das neue Jahr, von neuen Boote, die gekauft werden oder gekauft wurden. Und natürlich auch über die Eisfahrt.

Aber je später der Abend, desto weniger sind noch hier. Einer nach dem anderen verlässt uns mit dem Ruf: „Tschüss bis zum nächsten Jahr!“

Auch für mich ist bald Schluss für heute. Noch einmal muss ich nach Hameln und den Platz verschließen. Dabei nehme ich die letzten Kraftfahrer mit, die ihre Autos dort stehen haben. Dann den Schlüssel abgeben und zurück ins Bootshaus. Endlich komme auch ich zur Ruhe und kann die mittlerweile „runden“ Füße hochlegen. Normalerweise ist der Eisfahrttag damit abgeschlossen. Dieses Jahr soll der Abschluss jedoch verschoben werden, bis Montag, denn dann ist Sportschau und die „Rintelner Eisfahrt“ kommt im Fernsehen. Alle Helfer sitzen zusammen und sehen sich dieses Ereignis an. Wir sind sehr zufrieden mit dem Bericht und dem Kamerateam.

Wenn auch jedes Mal wieder Stress, Hektik und Nervosität ist, Spaß macht es doch und man freut sich jedes Jahr wieder alte Bekannte der Eisfahrt zu sehen und neue „Eisfahrtfans“ kennen zu lernen.

Also freue ich mich heute schon auf den 13.12.1986.

Peter Specht
damals Wanderwart heute Vorsitzender

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