Willkommen » Historisches » 40. Rintelner Eisfahrt 2011 » Bericht über die 40. Rintelner Eisfahrt von Gerhard Falk

Der erste Satz ist der wichtigste. Auf ihn kommt es an. Doch es gibt Tage, da verweigert er sich. Viele blitzen auf, doch keiner lange genug, um wichtig genommen zu werden. Vielleicht liegt es daran, dass die Geschichte im Kopf noch nicht wirklich fertig ist. Sie muss es aber sein, damit die Sätze ans Licht drängen. Unter ihnen ist dann dieser erste Satz.

Es gibt aber auch einen anderen Weg, einen Umweg sozusagen. Anfangen! Einfach anfangen und den Sätzen eine Chance geben. Vielleicht wird dann auch klarer, was die Geschichte sein soll. Soll es eine erfundene sein, oder vielleicht doch lieber ein Tatsachenbericht? Tatsache ist, dass ich wieder einmal in meinem Bully sitze und ein paar Tage hinter mich gebracht habe, die weit weg vom Schreiben waren. Sie fanden am und auf dem Wasser statt. Der wichtigste Tag war natürlich der „auf“ dem Wasser. Und vielleicht beginne ich mit diesem wichtigsten Tag.

Die 40. Rintelner Eisfahrt - aber ohne Eis, dafür mit Sturm und Regen!


Jetzt übertreibt er mal wieder, wenn er vom „Sturm“ schreibt, denkt sich der Leser, der bis hierhin auf den wichtigsten Satz gewartet hat und vielleicht noch nicht so recht weiß, worum es eigentlich geht. Aber sitz Du, liebe Leserin, in einem engen wackeligen Kajak Anfang Dezember auf dem Weserstrom bei Hameln mit knapp 25 Kilometern vor Dir bis Rinteln. Wind und Regen kommen schräg von allen Seiten und gemeinerweise auch von vorne, sodass sich heftige Wellen aufbauen, die schon mal über das Bötchen bis zur Spritzdecke fegen, dass es Dir bis ins Gesicht peitscht. Du hältst das Paddel fester, weil der Wind es Dir aus der Hand blasen will. Und Rinteln ist noch ein ganzes Stück, irgendwo da vorne hinter der grauen Regenwand. Ja, dann sprichst Du vom Sturm und Du träumst von den warmen Sommertagen auf den vielen anderen Flüssen und Bächen.

Nur ein paar Salzwasser-Paddler fühlen sich bei solchem Wetter in ihrem Element. Einer von denen machte vor dem Anleger beim Rintelner Kanu-Club noch eine Eskimorolle, so als wollte er sagen: „Leutchen, das ist mein Wetter!“ Aber Du kleiner Durchschnittspaddler, Du kämpfst auf der winterlichen Weser Deinen kleinen Kampf und fragst Dich, warum Du Dir das antust. Andere sitzen zu dieser Zeit am warmen Ofen und genießen die ersten Weihnachtsplätzchen. Dein Gesicht glüht von den tausend Regentropfen und die Augen werden zu schmalen Schlitzen. Zwischendrin macht der Wind kleine Pausen, bis eine heftige Böe erinnert, dass heute Eisfahrt ist. Vorne im Regen verlieren sich einige Paddler hinter der nächsten Kurve und hinten kommt ein schneller Zweier. Das ist ein gutes Gefühl, hier nicht alleine unterwegs zu sein. Wer würde schon alleine unterwegs sein wollen und noch bei solchem Wetter? Dennoch, wenn sich die Gedanken verlieren, weil Du bis zur nächsten Biegung alleine paddelst, spürst Du etwas von diesem kräftigen Strom und der Natur, in die Du mit jedem Schlag Deines Paddels hineinwächst. Das sind die Momente, die bleiben und ihre Wirkung entfalten, wenn auch Du wieder hinter dem warmen Ofen sitzt.

In diesem Jahr waren wieder 899 Eisfahrerinnen und Eisfahrer auf der Weser. Sie alle haben sich die Erbsensuppe am Bootshaus des Rintelner Kanuclubs redlich verdient, die ihnen zusammen mit ein paar Glühweintassen die Knochen wieder auftauten.

Und dann wurde es ihnen noch ganz warm ums Herz, als sich der RKC-Vorsitzende Peter Specht nach 30 Eisfahrt Dienstjahren verabschiedete und seinen Nachfolger vorstellte, der alle Eisfahrtverrückten zur nächsten Eisfahrt am 8. Dezember 2012 einladen wird.

Und wo bleibt nun mein wichtigster erster Satz? Er steht diesmal am Schluss:

„Ich werde im nächsten Jahr wieder dabei sein!“

Warum? Das kann ich Dir nicht sagen. Aber wenn Du, liebe Leserin und lieber Leser, das erste Mal auf dem Wasser dabei gewesen bist, dann wirst Du es wissen!

P. S.
Liebe Paddelfreunde vom RKC!
Die Episode von der Rintelner Eisfahrt ist natürlich willkommener Stoff für meine Wesergeschichten, die ich irgendwann in einem Buch auf die Reise schicken werde. Es war wie in den vergangen Jahren wieder sehr schön bei euch und ich danke für die Gastfreundschaft.

Besonders beeindruckt hat mich, dass ich einen Paddel-Kameraden traf, der mir erzählte, dass er seit Jahrzehnten zu euch kommt und nun auch, obwohl er selbst nicht mehr paddeln kann. Es gibt wohl kein größeres Kompliment als dieses!

Ahoi!
Gerhard Falk
http://www.falk-dautphetal.eu

 

 

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